Tour zum Kgalagadi Transfrontier Park
27.09. – 11.10.2007
Die an spektakulären Höhepunkten freie Anreise (wir hatten auch nichts anderes erwartet) erspare ich mir und steige gleich in Askham ein.
Die Straße ist nach dem Abzweig Richtung Twee Rivieren geteert. Die Hoffnung auf rasch voranschreitende Bauarbeiten enden dann aber doch nach 15 km an einem großen „DETOUR“ Schild. Die Umleitungsstrecke ist in einem schlimmen Zustand, wobei sich die Anreise an einem Samstag noch als Luxusvariante im Vergleich zu unserer Abreise an einem Wochentag herausstellen sollte. Die restlichen ca. 30 km auf der regulären Schotterpiste kommen uns nach den Umleitungswegen als sehr komfortabel vor.
Am Nachmittag machen wir eine erste Tour im Park und sehen ca. 4 km hinter Twee Rivieren unsere ersten Tiere – ein Löwenpärchen.
Na gut, dass wir Löwen sehen werden, war zu erwarten. Aber als erste Beobachtung fast neben dem Camp hinterläßt dann doch ein komisches Gefühl. Die Spannung, auf Raubkatzen zu treffen, wird recht früh genommen. Das Löwenpaar war leider nicht gewillt, den anwesenden Zuschauern Besonderes zu bieten, was uns veranlasste, weiter in Richtung Nossob zu fahren. Die Eland-Kadaver am Wasserloch Samevloeling waren schon beeindruckend, wurden aber mühelos von mehreren lebenden Elands getoppt, die sich zum nachmittäglichen Trinkgelage am Wasserloch einfanden. Etwa 11 km hinter Twee Rivieren trafen wir eine Amerikanerin, die sich auf die Beobachtung der Leopardin spezialisiert hat, die in dieser Gegend ihr Revier hat. Die Leopardin hat ein etwa 8 Monate altes Junges und ist wohl morgens und abends im Bereich der Straße zu sehen, hält sich den Rest des Tages aber in den Felsen auf. Auf dem Rückweg zum Camp sehen wir wieder das Löwenpaar, dass sich doch tatsächlich um wenige Meter bewegt hatte und etwas weiter auf der anderen Straßenseite 3 weitere Löwen, die unbehelligt auf der Düne dösen können, da sich alle Besucher nur dem Löwenpaar widmen.
Die Fahrt nach Nossob begann wieder mit Löwen. Das Paar, das wir bereits am Vortag gesehen haben, ergab sich in kleinen Liebesspielen und schien nicht gestört werden zu wollen – ein frommer Wunsch im Park. Am Wasserloch Samevloeling, das scheinbar immer etwas zu bieten hat (auf unserer Märztour eine Leopardin), sahen wir noch 3 weitere Löwen, die sich kurz die Zeit für ein Posing vor den Kameras der anwesenden Parkbesucher nahmen. Nach Elands, Geiern, Strauße, Gnus und vielen Springböcken treffen wir die schon erwähnte Amerikanerin an der gleichen Stelle wie tags zuvor. Auf meine Frage, ob sie denn Glück gehabt und die Leopardin gesehen habe, antwortete sie mit einem „Ja“ und ergänzt, wir können das Glück teilen, weil das Tier immer noch zu sehen sei. Wir haben die Leopardin dann tatsächlich entdeckt – die Amerikanerin hatte viel Geduld bei der Erläuterung. Es ist immer wieder faszinierend, wie unsichtbar ein Tier sein kann. Zu unserer Ehrenrettung gab die Leopardenfreundin zu, sie habe das Tier auch nur sehen können, weil sie es schon auf dem Weg zum Felsen entdeckt habe. Auf der Weiterfahrt gibt es wieder viel zu sehen – inklusive drei weiterer Löwen.
In Nossob haben wir am Abend eine kleine Tour Richtung Marie se Draai machen wollen. Beim Öffnen des Camp-Tores (ist wegen der Schakalplage geschlossen zu halten) wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass ein Löwe am Wasserloch sei. Man könnte meinen, wir hätten bereits genug Löwen gesehen, aber eigentlich kann man von den Tieren nicht genug bekommen. Zum anderen waren wir dankbar, nicht nochmal 2 Stunden im Auto zu verbringen. Das Licht am Wasserloch war toll, der Hyde zwar proppenvoll – aber es gibt immer nette Menschen, die einem einen Platz mit schönem Ausblick anbieten. Die Löwin schien gut gelaunt zu sein. Im Gegensatz zu ihren Artgenossen zuvor war sie ein echtes Bewegungswunder und bot uns allerlei. Sehr zu Leidwesen des ebenfalls anwesenden Schakals, der nicht müde wurde, ein Klagelied (noch dazu in Moll) zu führen, dass er nicht ans Wasserloch konnte, ohne in Konflikt mit der Löwin zu kommen.
Da der Weg von Nossob nach Grootkolk nahezu Fahrradentfernung hat, nutzen wir die frühen Morgenstunden – ab heute, dem 1. Oktober, öffnen die Tore um 6 Uhr - für einen Ausflug Richtung Marie se Gat. So weit kommen wir aber zunächst nicht, denn eine Gruppe von 2 Löwen und 2 Löwinnen, die sich am Abzweig Nossob/Marie se Draai niedergelassen hat, lässt uns einen Zwischenstopp einlegen. Während die anderen Frühaufsteher bei dem Rudel bleiben, machen wir die Runde von Marie se Draai, ohne allerdings etwas Spektakuläres zu entdecken. Zurück bei den Löwen sehen wir noch, wie die beiden Löwinnen ihren sehr jungen Nachwuchs im Maul von dem Versteck nahe der Straße in ein ruhiger gelegenes Gebüsch umsiedeln.
Die Fahrt nach Grootkolk ist sehr schön, allein schon wegen Einsamkeit in dieser Gegend. Unterwegs kreuzt eine Schlage unseren Weg. Als wir anhalten macht sie eine Drohgebärde und zeigt uns dabei, dass wir es mit einer Cape Cobra zu tun haben. In Grootkolk werden wir freundlich empfangen. Den Hinweis, dass der Platz neben unserer Hütte vom hier residierenden Löwen als Schlafplatz genutzt wird, wollte ich zunächst nicht glauben, musste aber anhand der Pfotenabdrücke im Sand zugeben, dass ich falsch lag. Als ich besagten Löwen beim Dösen unter dem Baum nahe der Wasserstelle am Camp entdecke, ergänzt der Campmanager, dass einer der Löwen vor zwei Tagen bei einem Kampf mit einem Artgenossen über die Brüstung unserer Hütte gesprungen sei und in der Außenküche gelandet ist. Die Bewohner hätten das Ganze hinter der unten geschlossenen zweiteiligen Tür der Hütte verfolgt. Ich will ja nicht behaupten, ich hege Zweifel an der Geschichte, tatsächlich lief mir der Schauer aber erst am Ende unseres Urlaubes über den Rücken – als mir ein Schweizer erzählte, dass sie bei ihrem Aufenthalt in Grootkolk einen Löwen zu Besuch in ihrer Küche hatten. Ich habe mir verkniffen, zu fragen ob der Löwe eine Einladung zum Dinner hatte.
Abends zieht sich der Himmel zu und es kommt ein Regen nieder, wie ich ihn als Fahrradfahrer unterwegs nicht erleben wollte. Der Regen dauert zum Glück nicht lange – schließlich wollten wir ja noch in der Außenküche aktiv werden. Ich mache eine Notiz, dass ich den Autoren einschlägiger Reiselektüre den Hinweis zukommen lasse, dass die Regenzeit in der südlichen Kgalagadi nicht zwischen November und März liegt.
Ich darf den Campmanager dann noch zur Energiestation fahren, wo er die Einspeisungsleitung zum Camp von den Solarzellen abklemmt und statt dessen mit dem Generator verbindet. Beeindruckender Weise geschieht dies an einer riesigen Lüsterklemme mit Hilfe eines Tafelmessers. Auf meine Frage, wie oft er das machen müsse, entgegnet er „2 x täglich“.
Vielleicht war es das Wetter, auf alle Fälle hat sich der Löwe gegen den Schlafplatz neben unserer Hütte entschieden. War sicher eine gute Entscheidung, er hätte bei unserem Geschnarche eh kein Auge zugemacht.
Am Morgen werden wir zunächst von einer afrikanischen Wildkatze und dann von zwei Löwen begrüßt, die erst das Wasserloch und dann ein schattiges Plätzchen in der Nähe aufsuchen. Anschließend werden meine Transportdienste erneut in Anspruch genommen – „es wäre ja nicht so schön, zu Fuß zu gehen – wegen der Löwen in der Gegend“ bekomme ich zu hören.Dem möchte ich mich vorbehaltlos anschließen. Bleibt zu erwähnen, dass es diesmal länger dauerte, weil die Lüsterklemme zunächst an der falschen Stelle gelöst wurde und eine Verbindung zwischen Generator und Solarzellen sicher nicht wünschenswert gewesen wäre. Auf alle Fälle steht für mich fest - sollte es uns noch einmal in die Gegend verschlagen, bringe ich Hartingstecker und einen Schraubendreher mit.
Der Weg nach Gharagab ist angenehm, ein kurzer Stopp bei Unions End ist obligatorisch. Gibt es eigentlich Besucher, die sich nicht hinter das Schild wagen, dass den Lesenden auffordert, nicht weiterzugehen, da man Botswana betritt...?
Das Camp Gharagab bietet diesmal nichts wirklich Spektakuläres, aber trotzdem gefällt es uns. Highlight ist der Campmanager Eric, den wir mehrfach, nachmittags und bei unserer Abreise auch morgens, aus dem Bett geholt haben – sorry dafür.
Die Fahrt von Gharagab nach Bitterpan ist ein Muss für 4x4 Enthusiasten, wobei das erste Teilstück nach Nossob noch relativ harmlos ist. Unterwegs sehen wir zwei Löwen bei Kousant. Die Löwin liefert mit einer Scheinattacke auf eine Gruppe Gnus eine spannende Einlage. Bei Kwang hat sich eine Horde von 5 Tüpfelhyänen nahe eines Elandkadavers eingefunden. Auf dem weiteren Weg sehen wir neben den üblichen Großtieren noch eine Puffotter und eine Molesnake.
In Nossob, wo wir uns zur Weiterfahrt melden müssen, werden wir nach einem Gast gefragt, der in Grootkolk eingecheckt hat, aber von seiner abendlichen Rundfahrt nicht zurückgekommen ist. Wir konnten leider nicht helfen.
Ich gebe es ja zu, die hohe Düne auf der 4x4 Route von Bitterpan habe ich erst im dritten Anlauf geschafft. In Grootkolk wurde ich schon eingenordet, ich müsse zwei Dünen mit Schwung nehmen – aber man muss wohl erst seine eigenen Erfahrungen dazu sammeln. Tröstlich ist, dass die Südafrikaner, die das Camp Bitterpan mit uns teilen, ebenfalls mehrere Anläufe benötigen.
Den Abend verbringen wir gemeinsam am Lagerfeuer. Ab und an schaltet Sue den Scheinwerfer an und so können wir beobachten, das eine Gruppe Elands das Wasserloch belagert. Sue meinte, sie habe auf ihren Touren in den KTP noch nie so viele Elands so weit südlich gesehen – der Botswanische Teil scheint extrem ausgedörrt zu sein.
Auf der Fahrt zum Kalahari Tented Camp lassen wir uns viel Zeit. Als wir bis zum Mittag nicht im Camp eingetroffen sind, machen sich Paul und Sue, die ebenfalls zum KTC gefahren sind (und an besagter zweiter Düne sich anfangs vergebens versucht haben), große Sorgen. Leider haben sie nicht mitbekommen, dass wir erst spät aufgebrochen sind und konnten auch nicht ahnen, dass wir noch eine Schleife im Auobtal gedreht haben, bevor wir ins Camp fahren. Auf dem Weg können wir einige Giraffen beobachten. Die Camp-Hyäne, die das Zelt von Paul und Sue aufsuchen wollte, bekommen wir leider nicht zu sehen.
Die nächsten Tage, die wir im KTC und in Urikaruus verbringen, bieten uns noch einige schöne Beobachtungsgelegenheiten. Neben mehreren Cape Cobras, vielen Giraffen (bis zu vierzehn auf einmal), einer Braunen Hyäne, einer Wildkatze und weiteren Löwen, sehen wir auch endlich ein paar Erdmännchen. Als wir die Dünenstraße bei Kieliekrankie befahren sehen wir mehr tote Elands, oder was von ihnen übrig geblieben ist, als lebendige. Es muss hier sehr schlimm zugegangen sein.
In Urikaruus erleben wir auch die Rückkehr des südafrikanischen Winters. Nachts wird es extrem stürmisch und die Temperaturen gehen in den Keller. Wegen des Sturmes haben wir wegen der schwankenden Stelzenhütte das Gefühl, wir seien auf hoher See. Der Sturm raubt uns den Schlaf, ermöglicht dadurch aber den nächtlichen Blick auf das Thermometer - mit 6 Grad im Schlafzimmer ist es doch recht kalt.
Als wir in Kieliekrankie eintreffen, stellt sich Abschiedsstimmung ein. Wir haben viele Eindrücke gesammelt und nette Leute kennengelernt. Eigentlich ist unser Speicher voll (nicht der in der Kamera). Nachdem uns der bereits erwähnte Schweizer erzählt, dass er am Morgen einen Honigdachs nahe der kleinen Dünenstraße gesehen hat, entscheiden wir uns zu einem letzten Abendtrip. Kaum auf der Dünenstraße angelangt, werde ich von Alide auf den Geparden aufmerksam gemacht, der direkt neben der Straße steht. Ich halte sofort an. Aber nach 10 Tagen KTP machen wir und unser Auto wohl einen so trostlosen Eindruck, dass das Tier sich entschließt wegzulaufen. Es ist beeindruckend, wie schnell und elegant der Gepard die Düne hochrennt. Oben angekommen wirft er/sie uns noch einen Blick zu, den ich nicht deuten kann und entschwindet hinter der Düne. Mehr Gelassenheit im Umgang mit uns zeigen die Erdmännchen, die sich entschlossen haben, das Gebiet in der Nähe von Auchterlonie zu durchlöchern.
Wir entscheiden uns, den Park über die Nossob-Route zu verlassen. Nach einigen Kilometern beim Wasserloch Kij Gamies entdecken wir 3 junge Löwen, die in Lauerstellung nahe der Straße hocken. Die Raubkatzen schauen uns etwas missmutig an, man könnte meinen, sie haben etwas ausgefressen. Der Blutfleck im Gesicht des einen Löwen lässt unseren Spekulationen freien Lauf. Unterwegs treffen wir zwei Südafrikaner, mit denen wir uns kurz austauschen. Der Fahrer verabschiedet uns mit einem von Herzen kommenden „stay warm“ und schließt leicht fröstelnd das Autofenster bevor er weiterfährt. Auf dem Weg nach Twee Rivieren zeigen sich noch Eulen, Gnus, Elands und Springböcke.
Die Rückfahrt ist kaum erwähnenswert. Die Umleitungen nach Askham sind nervig. Als wir einem LKW ausweichen müssen, geraten wir in ein tiefes Sandloch. Der Wagen sieht danach aus, als wäre er unter einen Kipplaster geraten. Die Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Upington bietet Gelegenheit, die Staubschicht abzutragen.
In Paris stellen wir einen neuen Rekord am Flughafen CDG auf. Zwanzig Minuten von Terminal E zum Terminal D inklusive Passkontrolle müssen erst einmal getoppt werden...